Ups, seit April nix mehr geschrieben... das hat mich jetzt doch überrascht.
Nun gut, für heute erstmal so viel:
ich hab nach Ewigkeiten wieder mit dem Schwimmen angefangen. In den letzten gut 15 Jahren hatte ich immer auf irgendeiner Seite was mit Schulter oder Arm oder Nacken, was mir den Spaß und den Genuss der Bewegung versaut hat.
Im Umfeld gibt es mehrere Freibäder zur Auswahl. Am Liebsten gehe ich dahin, wo man direkt rund ums Schwimmbecken Platz nehmen kann.
Am Nichtschwimmer gibt es eine kleine Anlage mit Podesten. Dort sitze ich jetzt und schaue dem Treiben zu. Ich mag es aus diversen Gründen nicht lange vom Liegeplatz zum Schwimmbecken zu laufen. Ich habe eher kräftige Beine und geniere mich seit der Pubertät in Schwimmbekleidung. Bauch einziehen und dabei weiter atmen gelingt mir hervorragend.
Das war auch so, als ich mal zwischendurch Kleidergrösse 34/36 trug. Aber es hat vor allem was mit meiner Kurzsichtigkeit zu tun. Wohin mit der Brille, wenn ich sie in unbekanntem Gelände brauche um überhaupt zum Becken zu kommen, besonders tricky der Rückweg zum Platz. Ohne Brille sehr blöd.
Was ich sehr mag ist die Geräuschkulisse, Kinder, Gemurmel, Platschen, manchmal das Schwappen von Wasser am Beckenrand, was sich ein bisschen wie Meeresrauschen anhört.
Ich mag den dezenten Geruch nach Pommes gemischt mit dem Duft nach Chlor und Sonnencreme.
In diesem Bad sind sehr viele Erinnerungen an meine Sommerferien, als ich zwischen 10 und 12 Jahre alt war. In diesen Jahren konnten es sich meine Eltern nicht leisten in Urlaub zu fahren und wir waren sehr sehr oft mit einer großen Gruppe befreundeter Familien hier. Hier habe ich sicher im Tiefen schwimmen gelernt. Eine meiner schönsten Erinnerungen ist die: es hatte zwischendurch zu regnen angefangen, das Bad leerte sich und die, die übrig blieben, flüchteten sich ins Bistro. Als der Regen etwas nachließ sind meine Mama, ihre Freundin B. und ich ins große Schwimmerbecken. Das war völlig leer. Beide flankierten mich links und rechts und ich schwamm alleine ohne Schwimmflügel das erste Mal komplett die Breite des Beckens hin und zurück.
Aber auch diese Erinnerung ist nach wie vor lebendig: ich hatte vor dem obigen Erlebnis absurd große Angst vor tiefem Wasser entwickelt obwohl ich mit 4 Jahren schwimmen gelernt hatte und auch in den Jahren zwischen meinem 4. und 9. Lebensjahr regelmäßig ins Meer schwimmen ging. Hier im Nichtschwimmerbecken steigt die Tiefe von links nach rechts zu. An der tiefsten Stelle sind es hier 1,20. Ich weiß nicht, wie groß ich 1981 war, aber ich hatte Angst vor dieser tiefen Stelle im Nichtschwimmerbecken. Ich konnte gut tauchen, aber Brustschwimmen war schwierig für mich.
Mein Vater wollte mich desensibilisieren, indem er mich schnappte, und vom flachen Teil ins tiefere Stück warf, in der Annahme, dass ich so meine Angst überwinde. Ich nehme zumindest an, dass das sein "Plan" war.
Das Gegenteil war der Fall. Ich wurde panisch und schrie "hör auf". Auf Saarländisch "Heer uff". Er lachte, schnappte mich wiederholt, warf mich ins Tiefe und rief "höher rauf"? Das wiederholte sich (in meiner Erinnerung unendlich oft). Je mehr ich weinte und schrie, desto weiter warf er mich. Körperlich hatte ich ihm nichts entgegenzusetzen.
Das ist jetzt ca. 46 Jahre her. Ich habe diese Szene klar vor Augen. Und frag mich immer mal wieder, hatte es diesem Mann ins Gehirn geschissen?
Ein Therapeut hat mir geraten, mir vorzustellen, dass ich als Erwachsene mich selbst aus solchen Szenen aktiv herausnehmen kann. Ich würde ihn schubsen, fragen ob er noch sauber tickt, mein kleines Ich von ihm trennen und mal in den Arm nehmen und trösten.